Home » Home » Umsonst und draußen

Umsonst und draußen

Das e-Lake feiert in diesem Jahr seine 25. Auflage. Mitorganisator Frank Rippinger spricht im Interview unter anderem über die Herausforderungen, welche die Organisation eines solchen Events mit sich bringt.

Das e-Lake feiert seine 25. Auflage. Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass es uns noch immer gibt. Wir haben aus dem Nichts, nur mit dem Jugendclub zusammen und unter dem Motto „ein Festival von jungen Menschen für junge Menschen“, ein Festival auf die Beine gestellt, und wir machen es noch immer. Das e-Lake funktioniert noch immer ohne Eintrittspreis und alle, die mitarbeiten, tun dies auf freiwilliger Basis.

Wie viele Mitarbeiter sind denn von der ersten Auflage noch dabei?

In der direkten Organisation sind es drei. Aus dem erweiterten Pool der Helfer dürfte es rund ein Dutzend sein. Das Organisationskomitee besteht übrigens aus vierzehn Leuten. Wir benötigen allerdings rund 300 Freiwillige pro Tag.

 

web_JEnnifer-Rostock-2013-(c)-Fabrizio-Pizzolante-(editpress)-Kopie

2013, Jennifer Rostock

 

Was war die größte Herausforderung bei der ersten Auflage?

Etwas, das wir nicht beeinflussen konnten: das Wetter. Es hat damals mit einem Donnerwetter und heftigem Regen begonnen. Die Anlage fiel aus, und wir hatten keinen Strom mehr. Der ganze Stress hat damals übrigens dazu geführt, dass ich in Ohnmacht fiel. Das Festival ging aber irgendwie über die Bühne, aber mit Dauerregen und extrem viel Schlamm auf dem Gelände. Die rund dreitausend Besucher haben trotz dieser Bedingungen bis zum Schluss ausgeharrt. Ich glaube sogar, dass dieses einmalige Erlebnis dazu geführt hat, dass sie im Jahr danach wiedergekommen sind und noch ein paar Freunde mitgebracht haben.

Das Wetter ist ein ständiger Risikofaktor bei Open Airs?

Ja, und es gab sogar schon ein Jahr, wo wir beinahe das Festival abbrechen und das Gelände evakuieren hätten müssen, weil ein sehr starkes Unwetter angekündigt war. Dieses ist dann im letzten Moment in Richtung Belgien abgedriftet, wo zwei Menschen bei einem Festival ihr Leben ließen. Bisher hatten wir immer Glück, es ist noch nie zu körperlichen Schäden gekommen. Wir bereiten uns aber auch hier zusammen mit Partnern wie dem CGDIS vor.

Worin bestehen die Schwierigkeiten heute?

Das Ehrenamtliche aufrecht zu halten, vor allem auch im Vorfeld. Wir treffen uns seit einem Monat jede Woche einmal. Diese Treffen können bis zu vier Stunden dauern. In drei bis vier Wochen werden es dann zwei Versammlungen pro Woche sein, um das Event stemmen zu können. Man muss genug Menschen finden, die bereit sind, diese Belastung neben ihren anderen Hobbys in ihrer Freizeit auf sich zunehmen. Und natürlich spielt der finanzielle Aspekt bei einem Gratis-Festival eine Rolle.

Wie gehen Sie beim Booking vor?

Als Erstes setzen wir uns ein Budget, was wir maximal ausgeben wollen und können. Die Erfahrungswerte aus den vorherigen Auflagen zeigen genau, was eine Band verlangt und wo man ansetzen kann. Ein Vorteil ist, dass wir bei den Bookern und Agenturen, vor allem in Deutschland, einen positiven Ruf genießen. Dies erklärt sich durch die Tatsache, dass wir den Bands einen guten Service und eine hervorragende Betreuung bieten. In all den Jahren gab es zahlreiche Gruppen und Künstler, die uns dies immer wieder bestätigt haben. Ich kann Ihnen dazu sogar eine rührende Anekdote erzählen…

 

web_open_air_party_006-08-96-Kopie

1996 , Die erste Auflage des e-Lake

 

…und die wäre?

Eva Briegel, ihres Zeichen Sängerin der deutschen Band Juli, war knapp ein Jahr vor ihrem Auftritt hier in Echternach Mutter geworden und hatte ihr Baby mit auf Tour dabei. Wir haben prompt eine Baby-Loge für sie installiert. Sie musste vor so viel Aufmerksamkeit weinen und hat uns erklärt, das hätte noch kein Veranstalter gemacht.

Aber es gibt bestimmt noch weitere Anekdoten, oder?

Ja, sicher. Wir hatten im Jahr 2005 Seeed gebucht. Die Band war mit dem Bus angereist und Sänger Peter Fox sollte mit dem Flugzeug ankommen, aber er erhielt aus gesundheitlichen Gründen ein Flugverbot. Das Management der Band wollte den Auftritt abblasen, wir haben unsere Situation erklärt, und schlussendlich hat die Band für einen halbstündigen Auftritt zugesagt. Sie haben den ganzen Tag lang am See ihre Stücke neu eingeübt und schlussendlich eine Dreiviertelstunde eine fantastische Show abgeliefert. Ihr Manager – mit dem ich noch Kontakt habe – versteht bis heute noch nicht, wie wir es damals geschafft haben, die Band zu einem Auftritt ohne ihren Sänger zu bewegen.

web_20220516_Interview-avec-Frank-Rippinger_Echternach_FellerTania-16-Kopie

 Die Erfahrungswerte aus den vorherigen Auflagen zeigen genau,
was eine Band 
verlangt und wo man ansetzen kann. 
Frank Rippinger

Das Konzept, mit zwei verschiedenen musikalischen Ausrichtungen an den einzelnen Tagen, hat sich bewährt, oder?

Als wir 1996 angefangen haben, war die elektronische Musik mit Events, wie zum Beispiel der Love Parade, gerade am Durchstarten. Unser Ziel war es von Beginn an, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, weshalb wir dieses Konzept mit unterschiedlichen Musikgenres an den einzelnen Tagen umgesetzt haben. Es gibt übrigens rund 40 Prozent der kampierenden Festivalbesucher, die sich beide Tage anschauen, die anderen 60 Prozent wechseln. Das spricht dafür, dass wir eine ganze Bandbreite von Besuchern ansprechen.

Über welche Band sind Sie froh, dass Sie sie schon einmal buchen konnten?

Seeed natürlich. Die wären für uns heute finanziell nicht mehr tragbar. Aber auch zum Beispiel Beatsteaks. Wir haben aber auch über die Jahre Bands gebucht, über die wir geglaubt haben, die würden ganz groß rauskommen, welche sich dann aber als Eintagsfliege entpuppt haben. Es wäre übrigens möglich gewesen, Reamonn für den e-Lake zu buchen, bevor sie mit dem Lied „Supergirl“ ganz groß wurden, wir haben das damals nicht getan. Eine verpasste Chance.

Welche Band, die in ihrem finanziellen Spielraum liegt, würden Sie gerne einmal buchen?

Kraftklub. Ich habe die schon seit dem Anfang ihrer Karriere auf dem Radar, und eigentlich sollten sie schon einmal beim e-Lake auftreten, das hat aber nicht geklappt. Seit Jahren träume ich davon, mit einer sehr bekannten Band einen „Secret Gig“ zu machen. Diese also nicht im klassischen Line-Up anzukündigen, aber sie auftreten zu lassen. Dieses Jahr hätte es beinahe geklappt, leider ist das zweite Augustwochenende für viele Künstler nicht optimal.

web_elake_festival_049-08-06-Kopie

2008

Das e-Lake setzt seit Jahren auf ein umweltfreundliches Konzept…

Ja, wir haben uns vor zehn Jahren dazu entschieden nachhaltiger zu werden und Recycling großzuschreiben. Diesen Aspekt werden wir in diesem Jahr noch weiter vorantreiben. Wir gehen mit unserem Nachhaltigkeitsgedanken nicht unbedingt groß hausieren, aber er ist uns sehr wichtig.

Wo steht der e-Lake in 25 Jahren?

Das kann ich gar nicht einschätzen. Es ist enorm viel Durchhaltevermögen gefragt, und vor allem ist es wichtig, dass an der Basis die Verjüngung der Freiwilligen weitergeht. Wir arbeiten auch daran. Die zwei Pandemiejahre haben hier für einen Bruch gesorgt, und wir sind uns noch nicht zu hundert Prozent sicher, dass wir ausreichend Freiwillige für diese Auflage finden werden. Aber ich bin optimistisch.

Fotos: Alain Rischard, Fabrizio Pizzolante, Tania Feller (alle Editpress), e-Lake asbl (4)

e-Lake Festival 2022
Die 25. Auflage des e-Lake findet vom 12. bis zum 14. August statt. Am Freitag treten neben bekannten Luxemburger Künstlern wie de Läb, Maz oder Mutiny on the bounty, internationale Bands wie die Antilopen Gang, die Orsons und 257ers auf. Am Samstag sind es Künstler wie Paul Van Dyk, Simon Patterson oder Will Atkinson, die für Stimmung sorgen werden. Sonntags sind es unter anderem Schëppe Siwen und Toxkäpp, die auftreten.

Alle Infos und das gesamte Line-Up unter: www.e-lake.lu

Wer Lust hat, als Freiwilliger mitzuhelfen, kann einfach
eine E-Mail an info@e-lake.lu schreiben.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold