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Verführerische Gaumenreise

Süße Sünden entstanden im Geist der Handwerkskunst und der Exzellenz. Das ist das Konzept der bereits neunten Ausgabe der „Sucrés du Lux“. Ein Freundschaftswettbewerb, bei dem zehn Konditoren ihre Kreativität und ihr Können unter Beweis stellen.

Es ist ein herrlich schöner, weiter Ausblick über die Altstadt, der sich den Gästen bietet, wenn sie im achten und obersten Stock des „Sofitel Luxembourg – Le Grand Ducal“ aus dem Aufzug steigen. Hier, in dieser unvergleichbaren Atmosphäre, findet die neunte Ausgabe der „Sucrés du Lux“ statt. Der Präsident und Gründer dieses Events, Yves Jehanne, stellt mir den Chefkonditor des Hotels, Paul Bungert, vor. „Ich nutze die Gelegenheit, um der Presse heute ganz offiziell Paul als Vizepräsidenten des Vereins vorzustellen“, verrät er mir. Im Jahr 2016 gründet Yves Jehanne hierzulande „Les Sucrés du Lux“, dessen Konzept vom „Club des sucrés“ inspiriert ist, der 2005 in Paris dank der Starköche Christophe Michalak und Christophe Adam gegründet wurde. Das Prinzip ist einfach: viermal im Jahr die besten Konditoren aus Luxemburg und der Großregion zusammenbringen. Und zu-gegeben, auch dieses Jahr hat der Chef Pâtissier aus dem Hause „Steffen“ die Crème de la Crème eingeladen. „Dieses Mal haben wir auch Chocolatiers, Konditoren aus Feinkostgeschäften und aus renommierten Restaurants zu Gast“, meint Yves begeistert. „Artgenossen unterschiedlicher Herkunft. Das öffnet Horizonte!“ 80 Prozent der Teilnehmer kommen aus Luxemburg. Die anderen aus den Nachbarländern Frankreich und Deutschland. „Wir haben leider noch keine belgischen Teilnehmer, aber ich hoffe, das ändert sich bald.“ Auf der Liste die Namen von bei Luxemburgern sehr beliebten und bekannten gastronomischen Betrieben. Jonathan Szymkowiak aus dem Haus „Kaempff-Kohler“, Thomas Studer aus dem Lokal „Ma langue sourit“, Chocolatier Lola Valerius, Jean-Baptiste Gely aus dem renommierten „Le Clairefontaine“ oder noch Alexandra Kahn aus der „Chocolaterie Genaveh“ sowie Alexandra Pancher aus dem Restaurant „Gudde Kascht“.

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Dieses Jahr lautet das Thema „Les gâteaux de voyages“. „Ein Kuchen, der sich transportieren lässt, ohne während der Reise beschädigt zu werden“, erklärt der 30-jährige Chefkonditor aus Toulouse. „Zum Beispiel ein englischer Teekuchen, Kekse, eine Madeleine, ein Financier oder ein typisch luxemburgischer ‚Bamkuch‘. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Das Thema wurde während des Sommers ausgearbeitet. Dementsprechend hatten die Teilnehmer zwei bis drei Monate Zeit, sich vorzubereiten. Um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, um das beste Rezept zu erstellen und um schlussendlich eine süße Kreation zu präsentieren, die sowohl für Aufsehen als auch für ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis sorgt. Allein der Anblick der zahlreichen zuckersüßen Meisterwerke lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Im Hintergrund der Panoramablick auf die wunderschöne Altstadt und zum Kosten ein „Finger Cake“ mit einem exotischen und unwiderstehlichen Karamell von Chefkonditor Szymkowiak, ein „Bamkuch to take away“ mit einem gewissen Pep aus Zitrone und Rum. Eine Erfindung von Gastgeber Paul Bungert. Julie Jager aus dem „Bakhaus“ überrascht mit einem Bio-Lebkuchen mit luxemburgischem Honig und der Präsident der „Sucrès du Lux“ präsentiert eine Madelaine mit einer derartig fruchtigen Himbeerfüllung, wie ich zuvor noch nie eine gekostet habe.

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„Es gibt hier keine Konkurrenz!“ – Yves Jehanne – Chefkonditor „Steffen“

„Es gibt hier keine Konkurrenz“, betont er. „Unser Ziel ist es absolut nicht den besten Chefkonditor zu wählen. Ziel ist es, diese Herrschaften von ihrem gewohnten Arbeitsplatz zu holen, um ihre Artgenossen besser kennenzulernen und eine eher außergewöhnliche Erfahrung mit ihnen zu teilen. Das ist meistens sehr inspirierend. Und tatsächlich tauschen wir auch die Rezepte, die wir für dieses Event erstellt haben, untereinander.“

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Besonders innovativ finde ich das Konzept von Emmanuel Humblot. Der Name war mir bis dahin total unbekannt. Humblot ist Konditorlehrer am Gymnasium „Stanislas“ in Nancy und hat sich von der weltbekannten „Route du Rhum“ für seine kleinen, sehr verlockenden Segelschiffe inspirieren lassen. Er schwärmt nur so von dieser Transatlantik-Einhand-Segelregatta, die alle vier Jahre im Hafen von Saint-Malo in der Bretagne startet und direkt nach Guadeloupe führt. „Es war für mich eine echte Einladung zum Reisen, zu fernen Horizonten, die mich sofort begeistert hat. Und diese unwiderstehlichen Produkte von den Antillen, aus Guadeloupe, wie Rum, Vanille, Rohrzucker, Bananen, Erdnüsse und Schokolade. Echte Flaggschiff-Produkte.“ Dabei kommt Humblot aus Lothringen und war Tausende von Kilometern von den Antillen entfernt, als er sein Rezept ausheckte. „Ich bin eher aus dem Land der Mirabelle“, meint er lachend. „Trotzdem liebe ich den Geruch von gebratenen Bananen, die mit Rum flambiert wurden, und diesen Vollrohrzucker, Muscovado…“.

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Am Stand neben ihm lädt Newcomerin Lola Valerius auf ein verlockendes Spiel ein. Ein Reisespiel natürlich. Erinnern Sie sich noch an die Spielregeln des „Tic-Tac-Toe“? Aber sicher doch. Zwei Spieler. Neun Felder. Der eine setzt Kreuze in ein freies Feld, der andere Kreise. Derjenige, der als Erster drei Zeichen horizontal, vertikal oder diagonal setzen kann, gewinnt.

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„Ein Reisespiel, das man fast überall spielen kann. Ein Stift und Papier genügen“, meint Chocolatier Lola Valerius. Bei ihr wird allerdings mit Pralinen gespielt. Die roten sind mit einem Kreuz gekennzeichnet, die gelben mit einem Kreis. Gespielt wird im Deckel der Pralinenschachtel. Gleichzeitig kann man die farbenfrohen Pralinen natürlich vernaschen. Doch hat das Thema nicht etwas mit „Reisekuchen“ zu tun?
„Bei mir ist der Reisekuchen in der Praline versteckt“, verrät sie mit einem scheuen Schmunzeln im Gesicht. Bamkuch und Oreo-Kekse haben die talentierte junge Frau inspiriert. „Der Bamkuch ist in Luxemburg meistens ein fester Bestandteil einer gelungenen Hochzeit. Und die Hochzeit ist eine Reise fürs Leben. Die Oreo-Kekse dagegen erinnern mich an meine Kindheit. Damals waren sie hierzulande nicht im Handel erhältlich und bei jeder Flugreise musste ich mir unbedingt Oreos aus dem Duty-Free-Shop besorgen.“ Sie muss lachen.

In diesem talentierten Team von zehn Konditoren hat Lola Valerius garantiert ihren Platz verdient. Wer dazu gehören will, so Yves Jehanne, sollte präzise und rigoros sein, vor allem aber seinen ganz eigenen Stil haben.

„Les sucrés du Lux“ auf Instagram: @sucres.du.lux

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Philippe Reuter

Journalist

Ressorts: Land und Leute

Author: Dario Herold

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