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Vergessen

Verlassene Orte, Wüsten und andere Einöden haben es Rom Helbach angetan. Der Luxemburger Fotograf gibt Einblick in eine Fotoreihe, die in Kalifornien entstanden ist.

Als „eine Komödie über eine Selbstbefreiung aus der Borniertheit des Alltagstrotts“ beschreibt das Lexikon des internationalen Films den Streifen „Out of Rosenheim“, in dem Marianne Sägebrecht als Jasmin Münchgstettner aus Rosenheim in der kleinen tristen Ansiedlung Bagdad strandet. Diese Gegend rund um das kalifornische Barstow, wo der Film gedreht wurde –, und wo auch der Wohnwagen aus dem Film steht – und auch die Umgebung des Saltonsees und der Anza Borrego Desert State Park haben es Rom Helbach angetan und ihn veranlasst, diese Gegend in Bildern festzuhalten. „Fotografisch hatte ich die Idee schon länger. Hauptsächlich inspiriert durch Independent-Movies oder verschiedene Kultur-Reportagen im Fernsehen. Im Juni vergangenen Jahres – als ich Ralph Diseviscourt bei seinem Race-across-America (RAAM) begleitete – nutzte ich jedes Mal, wenn sich eine Möglichkeit bot, die Gelegenheit einige Fotos von solchen Szenerien zu machen, die mich fazinierten. Anfang November fuhr ich nochmals zurück – auch zu Orten, die ich schon während der RAAM gesehen hatte – und beschäftigte mich intensiv damit, auch mit ganzen Landstrichen“.

Es geht dem Fotografen darum, das Leben oder eben die Abwesenheit hinter dem Slogan ‚make America great again‘ zu zeigen.

Die Fotos seien Teil eines fotografischen Langzeitprojekts, das eine Art amerikanischen Roadtrip dokumentieren soll und sich vor allem mit abgelegenen oder verlassenen Orten, Einöden und Wüstengegenden beschäftigen wird. Es geht dem Fotografen darum: „Das Leben oder eben die Abwesenheit hinter dem Slogan ‚make America great again‘ zu zeigen“. Die USA seien eben nicht nur Stars und Sternchen, Hollywood und New York oder Florida und die sterile Disney-Welt, es gäbe eben auch diesen Aspekt. „In Luxemburg ist es eher ungewöhnlich, dass ein Viertel, eine Stadt oder sogar ein ganzer Landstrich komplett verwaist oder liegen gelassen wird… jedenfalls nicht für längere Zeit.
In den USA passiert das jeden Tag, und quer über das ganze Land verteilt und ohne, dass sich die Politik oder die Wirtschaft wirklich kümmert. Die Leidwesenden sind immer die Einwohner, die teilweise in großer Armut leben.“

Helbach will noch mehrere Male zurück in das Land von Onkel Sam reisen, um an seiner Fotostrecke weiterzuarbeiten.

Helbach will noch mehrere Male zurück in das Land von Onkel Sam reisen, um an seiner Fotostrecke weiterzuarbeiten. Die Fotomotive würden nie langweilig und es wäre schon eine Leidenschaft aus diesem Projekt geworden. Auch wenn er an verschiedenen Plätzen ein mulmiges Gefühl gehabt hätte. „Die Typen, denen man dort begegnet, sind schon filmreif“, scherzt der Luxemburger über seine fotografische Entdeckungsreise, abseits von der Standard Touristentour in den USA. „Die teuren Fotoapparate, die man trägt, sind nicht immer von Vorteil. Dann kommt der in der Sonne blinkende funkelnagelneue Mietwagen dazu, der eher provoziert, als dass er Vertrauen einflößt. Und dann wären da noch die streunenden, teils aggressiven Hunden. Denen ist es egal, ob du bis dahin ein eher seriöses Leben in Europa hattest“, sagt Helbach und lacht.

Fotos: Rom Helbach

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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