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Vollblut-Athletin

Spätestens in dieser Saison konnte sich Catherine Mreches auf der Bildfläche der nationalen Basketball-Szene festbeißen. Die Spielmacherin von T71 Düdelingen avancierte zu einer der Hauptsäulen ihrer Mannschaft.

Nationaltrainer und T71-Übungsleiter Ken Diederich verriet uns einst im revue-Interview, dass der nationale Basketball-Wettbewerb allen voran von einer Variablen abhinge: den Profis. Umso bedeutender ist demnach der Impact, wenn ein Spieler oder eine Spielerin aus dem Großherzogtum profiähnlich aufspielt. Die erst 21-jährige Catherine Mreches tut zurzeit genau dies und führt ihre Mannschaft mit teilweise unglaublich guten und kompletten Leistungen ins Finale der Luxemburger Meisterschaft. Ihre Leistungen sind so gut, dass die Gegenspielerinnen in ihr eine der Besten in Luxemburg sehen – und das unabhängig vom Profi-Label.

„Natürlich ist man als Sportler enttäuscht darüber“, sagt die Studentin der Sportwissenschaften an der Sporthochschule Köln. Kurz vor dem Interview erfuhr die ambitionierte Athletin, dass aufgrund „diverser Gründe“ Halbfinalgegner Amicale Steinsel keine Mannschaft für das zweite Spiel zusammenkriegt und auf die Fortsetzung des Wettbewerbes verzichtet: „Als Sportler willst du immer spielen. Es ist schade für die Mädels aus Steinsel, die bis dato eine richtig gute Saison hingelegt hatten.“ Allzu lange damit beschäftigen kann und will sich Mreches allerdings nicht. In wenigen Tagen darf die Basketballerin nämlich zum dritten Mal in ihrer noch jungen Karriere ein Finalspiel bestreiten – wobei der Begriff Basketballerin ihr eigentlich nicht ganz gerecht wird.

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Ich kann mich noch daran erinnern, dass viele Leute meinten,
meine Größe könnte ein Problem werden. ”
Catherine Mreches, 1,68 Meter

„Als ich in das Sportlycée kam, musste ich mich für eine Sportart entscheiden. Dem Basketball den Rücken zu kehren war sicher nicht einfach, aber ich war zu dem Zeitpunkt einfach fokussierter auf die Leichtathletik, auf das Laufen“, begründet Mreches die ihre damalige Entscheidung im Alter von elf Jahren. Eine schlechte Entscheidung? Sicher nicht. Immerhin räumte sie als Leichtathletin in diesem Zeitraum (2011-2015) quasi jeden gewinnbaren Titel ihrer Altersklasse ab. Trotzdem fehlte Mreches der Ball – in all seinen Facetten: „Ich wohne ja hier direkt gegenüber von einem Fußballplatz. Auch das Fußballspielen macht mir unglaublich Spaß.“ Als ihre große Schwester Anne dann 2014 das Leibchen des Jugendvereins, der Musel Pikes, gegen jenes des T71 tauschte, verspürte auch Catherine Mreches wieder den Wunsch, auf Korbjagd zu gehen und schloss sich direkt an.

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Ihre Rückkehr zum Basketball alleine auf den Wechsel ihrer Schwester zu beziehen, wäre allerdings nicht korrekt: „Ich kann mich noch daran erinnern, dass 2011 (als sich Catherine Mreches fürs Sportlycée für eine Sportart entscheiden musste, Anm. d. Red.) viele Leute meinten, dass ich doch das Laufen wählen solle. Immerhin könnte meine Größe ein Problem werden.“ Sichtlich positiv angefressen von dieser Aussage meint Mreches frech grinsend: „Irgendwo wollte ich diesen Leuten zeigen, dass ich unabhängig von meiner Größe eine gute und erfolgreiche Basketballerin werden kann.“ Bei ihrem Wechsel war die 1,68 Meter große Mreches allerdings davon ausgegangen, erstmal weiterhin die Jugendkategorien zu durchlaufen. Ihr neuer Verein hatte allerdings einen anderen Plan: „Mit 17 Jahren hat mich der damalige Trainer Thierry Kremer in den Seniorinnen-Kader berufen. Er hat mir die Chance gegeben erste Erfahrungen auf diesem nationalen Top-Niveau zu sammeln.“

Das Resultat ist heute, rund vier Jahre später, eine selbstbewusste und äußerst reflektierte Sportlerin, die trotz ihres Alters bereits viel Erfahrung hat und dementsprechend viel Verantwortung übernimmt. „Als Pascale Gut, unsere damalige Teamkapitänin, aufhörte, kam Thierry (Kremer, Anm. d. Red.) auf mich zu und fragte, ob ich diesen Job übernehmen wolle. Anfangs war ich etwas überrascht, immerhin gibt es Spielerinnen in der Mannschaft, die zehn Jahre älter sind als ich.“ Dass ihre Überraschung unangebracht war, zeigt die Meinung ihrer Mitspielerin Nadia Mossong: „Catherine zeichnet sich durch eine unglaubliche Professionalität aus. Sie ist ein absoluter Teamplayer und stellt den Erfolg der Mannschaft immer vor persönliche Anerkennung.“

Auch ohne Fokus auf persönliche Anerkennung hat sich landesweit der nötige und definitiv verdiente Respekt für die 21-Jährige eingeschlichen. „Catherine ist unglaublich intelligent auf dem Platz. Sie kann selbst zum Korb ziehen und abschließen oder aber ihre Mitspielerinnen mit teilweise beeindruckenden Pässen einsetzen“, schwärmt Amicale-Steinsel-Kapitänin Esmeralda Skrijelj von ihrer Gegenspielerin. „Und dann habe ich noch gar nicht über ihre Athletik gesprochen. In meinen Augen ist sie mit Abstand die schnellste Spielerin im Land. Alles in Allem gehört Catherine Mreches für mich zu den Top-3- Basketballerinnen in Luxemburg!“

Lob von Mitspielerinnen und Gegenspielern sowie unglaublich gute Statistiken – das alles in ihrer erst vierten Senioren-Saison. Bei Catherine Mreches deutet vieles darauf hin, dass die junge Frau durchaus Profi-Potenzial besitzt. Darauf angesprochen stockt der Flow der eigentlich so selbstsicher redenden Mreches ein wenig: „Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Natürlich wäre es eine Option, aber primär möchte ich mich auf meinen eigentlichen Berufswunsch konzentrieren.“ Diesen konnte sie sich vereinsintern bei Frank Muller abschauen. Der ehemalige Nationalspieler, eine T71-Ikone, arbeitet nämlich als Sportpsychologe: „Ich habe oft mit ihm darüber gesprochen und auch selbst einige Sitzungen bei ihm gemacht. Mich fasziniert das Thema einfach. Ich glaube zu wissen, dass sportlicher Erfolg zu 50 Prozent Kopfsache ist, und als Sportpsychologe würde ich gerne anderen und mir selbst dabei helfen, diese 50 Prozent zu beherrschen.“

Die erst 21-Jährige führte ihre Mannschaft mit teilweise unglaublich guten und kompletten Leistungen ins Finale der Meisterschaft.

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Im fast einstündigen Gespräch mit Mreches wird klar: Wenn sie etwas machen will, dann richtig. Die Augen der Athletin könnten nicht noch aufgeregter funkeln, wenn sie über ihre Leidenschaften berichtet. Auch abseits der Bewegungskunst zeigt sich Mreches nicht talentlos: „Ich mag Musik. Ich kann zwar keine Noten lesen. Deswegen musste ich mir das Klavierspielen mehr oder weniger alleine mit Youtube-Videos beibringen. Das gelegentliche Geklimper hilft mir allerdings, den Kopf freizukriegen und abzuschalten.“

Neben dem Sport, der Universität und der Musik bleibt logischerweise nicht viel Zeit für andere Beschäftigungen: „Ich fahre aktuell zweimal die Woche 2,5 Stunden von Köln nach Luxemburg und zurück. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die Freunde etwas auf der Strecke bleiben.“ Gerade deswegen will Mreches keine freie Minute ungenutzt lassen, um genau diese verlorene Zeit mit ihren Liebsten nachzuholen: „Ich habe vielen meiner Freundinnen viel zu verdanken. Sie waren immer für mich da und haben zwangsläufig einen Einfluss darauf genommen, wie ich heute als Mensch bin.“ Umso schöner, dass einige dieser Freundinnen mit ihr auf dem Parkett stehen und vielleicht kommende Woche ihren ersten nationalen Meistertitel einfahren können.

Text: Daniel Baltes  Fotos: Philippe Reuter, Albert Krier (2), Luis Mangorrhina (Editpress)

Author: Dario Herold

Comments (1)

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