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Von Serienmördern und Internetstars

Lust auf Cat Content? Die arte-Doku „Wie die Katze die Welt eroberte“ liefert genau das – wenngleich ihre Eroberung des Internets etwas zu kurz kommt.

400 Millionen Katzen leben unter uns – und es werden immer mehr. Der erste Satz, der in der Doku „Wie die Katze die Welt eroberte“ fällt, lässt Menschen, die Katzen nicht so sehr mögen wahrscheinlich die Nase rümpfen. So viele? Ja, und noch dazu sind sie überall dort, wo auch der Mensch ist. 52 Minuten lang dreht sich alles um das Wesen der Katze. Archäo-Zoologen, Paläogenetiker, Biologen und Verhaltensforscher aus aller Welt versuchen, die letzten Rätsel um das Katzentier aufzuschlüsseln. Zahlreiche Studien, auch zur Mensch-Katze-Beziehung sollen Aufklärung liefern.

In Schweden untersucht etwa eine Professorin für Phonetik die Laute von Katzen. Gemeinsam mit einem Tierkommunikationsforscher, ebenfalls aus Schweden, versucht sie herauszufinden, wieso die Katze wann und wie maunzt. An dieser Stelle muss ich allerdings, lieber Leser, einschreiten. Meine Wenigkeit hat selbst mit zwei Katzentieren zu tun, und ich hätte dieser Dame wahrscheinlich schnell helfen können: Diese Laute sollen auf den – angeblich – nahenden Hungertod hinweisen. Schön hell und eindringlich klingt das – und ist darüber hinaus manchmal einfach nur nervtötend. Die Forscherin bestätigt das dann auch, also zumindest das mit den hellen Lauten und der Forderung nach Futter. Der Tierkommunikationsforscher hat derweil, ganz nebenbei, sogar herausgefunden, dass es eher problematisch ist, einer schlecht gelaunten Katze ein GPS-Halsband zwecks Erforschung ihres Reviers anzulegen. Dennoch hat das Tier irgendwann kooperiert, so, wie andere Katzen im Kontext der Studie auch. Das Resultat der Studie wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

Auch in Frankreich und Großbritannien wird geforscht: Eine Wissenschaftlerin hat etwa herausgefunden, dass Katzen sehr wohl eine Bindung zu Menschen aufbauen können – und man die Tiere sogar dressieren kann. Ein Blick auf meinen heimischen Tierfreund verrät mir aber, dass das mit dem Training wohl eher kaum was wird, widmet sich der Kater doch derzeit mit Leidenschaft seinen Schlaf- und Fresszeremonien – und ähnelt eher einem Walross denn einer Gazelle.

Doch zurück zur Doku. In wenigen Minuten springt die Sendung vom früheren Ägypten ins Mittelalter und schließlich in das heutige Zypern und nach Südflorida. Ja, die Katze war schon überall, sie wurde verehrt und gehasst und wieder zurück – kein Wunder also, dass sie es auch geschafft hat, die Welt im Netz zu erobern. „Katzen sind zu Internetstars geworden und nichts scheint ihren Siegeszug aufzuhalten“, heißt es in der Doku. Recht hat die Sprecherstimme. Schade nur, dass dieser Aspekt in der Doku kaum angesprochen wird. Zig Videos und Memes gibt es nämlich im World Wide Web zu bestaunen, von der schönsten über die dickste bis zur Anti-Alles-Katze: Es ist für jeden was dabei, Katzen sind mehr als nur Haustiere, sie sind Kult.

web_dreamstime_m_45216784-KopieKein Wunder, dass dieser Hype ausgeschlachtet wurde und immer noch wird, das Konterfei des tierischen Stars ist auf den unterschiedlichsten Merchandise-Artikeln verewigt, Millionen sollen sich auf dem Konto der Katzenbesitzer stapeln. Sogar zum Filmstar ist die kleine Katze mutiert. In dem Film „Grumpy Cat’s miesestes Weihnachtsfest ever” zeigt das kleine mürrisch dreinblickende Wesen, was es am allerbesten kann: Mürrisch gucken eben. Dass Grumpy Cat an genetisch bedingtem felinen Kleinwuchs litt, verleiht dem ganzen dann doch etwas Trauriges. Gestorben ist sie übrigens an den Folgen einer Harnwegsinfektion.

Trotz ihres Todes im April des vergangenen Jahres bleibt Grumpy Cat wohl für immer der Superstar unter den Cyber-Katzenstars. Dennoch gibt es auch andere bekannte Katzengesichter, etwa Keyboard Cat, die mit ihrem musikalischen Talent zum viralen Hit wurde, oder Perdita, die von Tierheimmitarbeitern als schlimmste Katze der Welt betitelt wurde, weil sie einfach alles und jeden hasse, und nicht zu vergessen Nyan Cat, eine 8-Bit-Animation einer fliegenden Katze mit Regenbogenschweif und passender Hintergrundmusik. Und das sind nur ein paar von zahlreichen Cyber-Stars.

Arte schneidet diesen Hype zwar an, allerdings, wie gesagt, nur kurz, ein paar Bilder von Grumpy Cat und einige Sequenzen von Katzen, die seltsame Dinge tun, etwa mit Panzern umherfahren, werden eingeblendet. Dazu ein bisschen lustige Musik – und der Satz, dass die Eroberung des Internets ein Kinderspiel für sie gewesen ist.

Damit nicht genug, kurz danach ist von der Katze als Serienmörder die Rede. Die Stimme aus dem Hintergrund erzählt, wie gefährlich die Haustiger für die Artenvielfalt seien, Millionen kleiner Säugetiere und Vögel fallen den Tieren zum Opfer, in manchen Gebieten, etwa den Florida Keys, sind Arten der Amerikanischen Buschratte vor dem Aussterben bedroht. Wegen umherstreunenden Katzen. Auch in Neuseeland, Hawaii und auf den Galapagos-Inseln sind die Tiere auf dem besten Weg, zum größten Feind der Artenvielfalt zu werden. Welche Schande aber auch. Wie können diese unschuldig dreinblickenden Wesen nur solche Triebtäter sein? Aber gut, Katzenbesitzer wissen, dass die possierlichen Tiere nur zu gut wissen, wie sie den Menschen untertan machen können.

Gut, dass dann aber auch erwähnt wird, dass der Rückgang des natürlichen Lebensraums der Hauptgrund für das Aussterben zahlreicher Lebewesen ist. Und dafür verantwortlich ist gemeinhin der Mensch. Aber trotz ihrer Mordlust: Die Katze ist beliebt – und wird immer beliebter. Im Jahr 2019 lebten laut Doku rund 14,7 Millionen Katzen in deutschen Haushalten, im Gegensatz zu 8,83 Millionen Hunden, in Frankreich steht es 13 Millionen zu sieben.

Eigentlich alles Informationen, die man wahrscheinlich auch schon irgendwo anders aufgeschnappt hat. Doch in der Doku geht es auch um einen weiteren Aspekt: Die Forscher wollten herausfinden, wie genau sich die Katze auf der ganzen Welt verbreitet hat. Die Antwort auf dieses Rätsel und ob die Katze wirklich so ein eigensinniges Tier ist, wie es immer heißt, das dürfen Sie aber auch gerne selbst – beim Betrachten der Wiederholungen der Sendung – herausfinden. Und wer darüber hinaus noch Lust auf ein paar lustige Katzenvideos hat, dem sei die Suchfunktion bei YouTube ans Herz gelegt. Ach ja, Hundefreunde können sich gleich auch noch die arte-Doku „Wie der Hund die Welt eroberte“ vormerken. Wenngleich die natürlich bei weitem nicht so interessant sein dürfte wie diese, das meint zumindest der anwesende Kater.

Wie die Katze die Welt eroberte, von Arte Frankreich, Regie: Eric Gonzalez, Pierre-Aurélien Combre, Erstausstrahlung: Dezember 2020

Weitere Sendetermine

  • Donnerstag, 17.12.2020 um 09.40 Uhr, Dienstag, 22.12.2020 um 06.15 Uhr
  • Sonntag, 27. Dezember 2020 um 07.40 Uhr, Online vom 28.11.2020 bis 3.02.2021

Text: Cheryl Cadamuro, Fotos: Arte, Jaguarps (Dreamstime)

Author: Dario Herold

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