In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stehen die UdSSR und die USA einander in einem Zustand permanenter Spannungen gegenüber. Auch hierzulande wird mit dem Schlimmsten gerechnet. Wie die Ausstellung „Der Kalte Krieg in Luxemburg“ sehr aufschlussreich zeigt.
Fotos: Tom Lucas (MNHA)
Ältere Generationen können sich noch an Edwin Starr als Interpreten des wohl bekanntesten Antikriegssongs „War“ erinnern. Jüngere verbinden das Lied, das 1969 aus Protest gegen den Vietnamkrieg entstanden ist, entweder mit Bruce Springsteen, der es Mitte der 1980er Jahre erneut zu einem Top-10-Hit macht, oder mit Jackie Chan, der es mehrmals in der Filmserie „Rush Hour“ singt. Wie dem auch sei, die Antwort auf „What is it good for?“ bleibt die gleiche: „Absolutely nothing!“
Dass das Großherzogtum nach dem Zweiten Weltkrieg ein Bündnis mit den USA eingeht, deren Truppen das von den deutschen Nationalsozialisten besetzte Land befreit haben, ist für die meisten Luxemburger eine Selbstverständlichkeit. Allerdings genießt auch die UdSSR großes Ansehen. 1944 ziehen sowjetische Kriegsgefangene an der Seite der Amerikaner durch die Straßen von Luxemburg-Stadt, die Regierung drückt der Roten Armee gegenüber mehrmals ihre Dankbarkeit aus, die Kommunistische Partei (KPL) verzeichnet einen nie dagewesenen Zustrom an neuen Mitgliedern, der Arzt und Widerstandskämpfer Charles Marx wird sogar Gesundheitsminister. Doch bereits 1947 ändert sich die Lage.

Zum Entdecken: Der Bunker in den Kasematten ist nur eines von vielen Überbleibseln aus einer sehr spannenden Zeit der Luxemburger Geschichte.
Weil die USA und die UdSSR keine gemeinsame Lösung für die Zukunft des besiegten Deutschlands finden, ziehen sich die Kommunisten in Luxemburg und weiteren europäischen Ländern aus den entsprechenden Regierungen zurück. Zudem erhöhen die Amerikaner mit ihrer „containement“-Politik den Druck, der Expansion der „roten Gefahr“ im Westen Einhalt zu gebieten. Die Welt wird – einfach ausgedrückt – geteilt. Luxemburg profitiert derweil vom Marshallplan, der die Niederlassung amerikanischer Firmen begünstigt. Mit US-Dollars in Form von Spenden und Krediten werden, zum Beispiel, die beiden Wasserkraftwerke in Rosport und Esch/Sauer gebaut.
Auch für den durchschnittlichen Luxemburger hat die Integration des Großherzogtums in die Wirtschaft der westlichen Staatengemeinschaft konkrete Auswirkungen: Vollbeschäftigung im Industriebereich, erhöhter Lebensstandard, komfortable Wohnungen. Dennoch bleibt die Angst vor einem weiteren Krieg. Was die luxemburgische Armee betrifft, wird deren Organisation in den 1950er und 1960er Jahren wiederholt verändert – bis zur Abschaffung des obligatorischen Militärdienstes im Jahr 1967. Die Bündnispartner sind wenig erfreut, die NASA fordert einen Ausgleich, doch die Möglichkeit der Stationierung amerikanischer Raketen in Luxemburg wird glücklicherweise schnell verworfen. Stattdessen werden die ehemaligen Kasernen der Armee in Capellen zum Stützpunkt der „NATO Maintenance and Supply Agency“ (NAMSA).
Mit „Der Kalte Krieg in Luxemburg“ beschreitet das MNHA neue Wege und zeigt erstmals eine der jüngeren Geschichte des Landes gewidmete historische Ausstellung.
Als die Ungarn 1956 den Warschauer Pakt verlassen wollen und die Einheit des Ostblocks ins Wanken kommt, fällt die sowjetische Armee in Budapest ein. Es gibt verheerende Kämpfe und mehrere Tausend Toten. In Luxemburg demonstrieren vor allem junge Leute gegen diese Willkür. Einer Gruppe gelingt es, in die sowjetische Botschaft einzudringen. Möbel werden verbrannt, Fahrzeuge beschädigt, zahlreiche Objekte gestohlen. Am darauf folgenden Tag muss sich die Regierung für den Vorfall entschuldigen, der zu einem ernst zu nehmenden diplomatischen Zwischenfall hätte werden können. Auch 1968, als sowjetische Panzer in Prag einrollen, gehen zahlreiche Luxemburger auf die Straße. Nach dem Studenten, der sich in der tschechoslowakischen Hauptstadt selbst angezündet hat, um gegen die Besatzung zu protestieren, wird sogar ein Platz eingeweiht: der Square Jan Palach. Und es kommt in verschiedenen Gemeinden zu vorgezogenen Kommunalwahlen, weil die LSAP nicht mehr mit der KPL in einem Boot sitzen will.











