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Winter im Garten

Auch in der kalten Jahreszeit ist der heimische Garten Lebensraum für Tiere. Wie man sie unterstützen kann und warum nicht überall gefegt und jede Pflanze beschnitten sein sollte, erklärt Tanja Eybe von der Fondation natur&ëmwelt.

Während die meisten Tiere im Winter schlafen oder in einer Kältestarre ruhen, kann man Vögel jetzt im Garten häufig beobachten. Sie freuen sich über gut gefüllte Futterplätze, die besonders bei Schnee und Frost sehr wichtig sind. Aber nicht nur die Vögel haben einen Nutzen von der Fütterung, auch Menschen macht das Beobachten der schönen Tiere, die an die Futterplätze kommen, sehr viel Freude.

Am hygienischsten ist die Verwendung von Futtersilos. Mit Knödeln in Netzen sollte man vorsichtig sein, weil hier die Vögel mit ihren Füßen hängenbleiben können. Stattdessen kann man die Knödel in Drahtkörben anbieten, die man aus Kaninchendraht leicht selbst machen kann. Am liebsten kommen Vögel zum Fressen übrigens an Stellen, die hoch liegen und gleichzeitig von oben zum Beispiel durch Baumkronen geschützt sind. So sind sie sicherer vor Katzen von unten und vor Greifvögeln aus der Luft. Futterplätze, die sehr freistehen und deshalb keinen Schutz bieten, werden oft nicht gut angenommen. Manchmal lassen sich auch Eichhörnchen an den Futterstellen blicken, die aus ihrer Winterruhe erwacht sind, um etwas zu essen.

Je vielseitiger ein Garten ist, desto mehr Tiere profitieren von ihm.

great-spotted-woodpecker-6014873-KopieEin natürlicher Weg, Tieren Nahrung in der kalten Jahreszeit zu bieten, ist das Pflanzen von einheimischen Bäumen, Büschen und Hecken sowie das Ausreifenlassen ihrer Früchte, Beeren und Nüsse, die dann ab Herbst bis in den späten Winter zur Verfügung stehen. Vögel und Kleinsäuger wie Siebenschläfer und Eichhörnchen brauchen Nüsse und Beeren, um gut durch den Winter zu kommen. Eine überaus wertvolle Pflanze ist der Efeu, er trägt erst am Ende des Winters Beeren, wenn es nicht mehr viel andere Nahrung gibt, und ist für Tiere sehr wichtig. Efeu blüht etwa im Alter von acht Jahren, deshalb sind besonders alte Efeubestände von großer Bedeutung.

Obst, das von Bäumen gefallen ist, kann man in eine Ecke des Gartens harken, wo es nicht stört. Darüber freuen sich im Winter zum Beispiel Amseln, Wacholderdrosseln und Buchfinken und im milden Herbst auch noch Schmetterlinge wie der Admiral sowie Wildwespen und Kleinsäuger. Auch weicher gewordene Äpfel, die man selbst nicht mehr essen möchte, kann man in den Garten legen oder an Äste hängen. An Hecken und Büschen, die nicht jedes Jahr im Herbst zurückgeschnitten werden, finden Vögel wie Meisen oder Kleiber im Winter Insekten.

Winter-Laub-Frost-KopieAuch das Belassen des Herbstlaubs im Garten ernährt indirekt die Vögel, denn hier überwintern ebenfalls unzählige kleine Insekten, die sie beim Wenden der Blätter mit dem Schnabel finden. So werden viele Vogelarten auch im Winter mit wichtigen Proteinen versorgt. Wer das Laub nicht auf dem Rasen liegenlassen möchte, kann es unter die Hecke harken oder auf einen Haufen schichten. Auch Schneeglöckchen mögen das Herbstlaub, weil sie sich unter seinem Schutz besonders gut vermehren. Außerdem polstert sich der Igel im Herbst damit sein Winterschlafquartier aus.

Weitere wichtige Nahrungsquellen für Kleinsäuger und Vögel sind Samen von Blumen, Wildkräutern und Gräsern. Wer wilde Ecken im Garten wachsen und im Winter stehenlässt, hilft ihnen damit sehr. Wilde Ecken bieten nicht nur Samen, sondern auch das ganze Jahr Lebensraum für Insekten. Von ihnen ist beispielsweise der Igel abhängig, wenn er sich im Herbst eine dicke Fettschicht anfressen muss, um den Winter zu überleben. Insekten isst er dabei am liebsten.

hedgehog-985315-KopieDer Igel sucht sich im Herbst ein geeignetes Winterquartier. Hierfür kommen zum Beispiel Reisighaufen, trockene Hohlräume unter Holzstapeln, Treppen oder Gartenhäuschen in Frage. Nachdem die Temperaturen dauerhaft unter fünf Grad Celsius gefallen sind, bleibt er dort über den Winter zusammengerollt liegen. Sein Winterschlaf beginnt, abhängig von den Temperaturen, etwa im November und endet im März. Zum einen ist es für den Igel wichtig, dass diese Winterquartiere vorhanden sind, zum anderen ist es genauso wichtig, dass er in der Zeit des Winterschlafs nicht gestört wird.

blackbird-5810073-KopieWer also einen Reisighaufen oder einen Holzhaufen aus dem Garten entfernen möchte, sollte dies nicht im Winter machen. Aber auch im Sommer ist Vorsicht geboten, da Igel diese Strukturen ebenso in der warmen Jahreszeit nutzen, um hier tagsüber zu schlafen. Passiert es trotzdem, dass man einen Igel im Winterschlaf findet, sollte man ihn genauso zurücklegen, wie er vorher lag. Auf keinen Fall darf man ihn ins warme Haus bringen, weil sein Körper jetzt an die kalten Temperaturen angepasst ist und sein Stoffwechsel sonst durcheinanderkommt.

Der Efeu trägt erst am Ende des Winters Beeren.

Nistkästen sollten das ganze Jahr über draußen hängen bleiben. Sie stehen dann, genauso wie Baumhöhlen und Astlöcher, den Tieren auch in der kalten Jahreszeit zur Verfügung. Viele Vogelarten nutzen sie nachts außerhalb der Brutzeit als wettergeschützten Schlafplatz. Für den Siebenschläfer sind sie außerdem ein beliebtes Winterquartier.

Andere Tiere wie Insekten, Eidechsen und Frösche graben sich entweder in die Erde ein oder überwintern in hohlen Baumstümpfen, in dichter Vegetation, in Spalten aller Art sowie in Stein-, Stroh oder Komposthaufen. Viele verschiedene Strukturen im Garten bieten den unterschiedlichsten Tieren Plätze zum Überwintern. Je vielseitiger ein Garten ist, desto mehr Tiere profitieren von ihm. 

Text: Tanja Eybe, Fondation Hëllef fir d’Natur von natur&ëmwelt // Fotos: Pixabay (5), Tanja Eybe (2)

Author: Philippe Reuter