Derber Humor und viele Emotionen: Auch in der zweiten Staffel von „After Life“ dreht sich alles um Tony, der nach dem Tod seiner Frau quasi zum Vorzeige-Zyniker geworden ist.
Für die, die die erste Staffel nicht gesehen haben, ein kurzer Rückblick: Tony verliert seine Frau Lisa an Brustkrebs, wird daraufhin depressiv und versucht, sich das Leben zu nehmen. Dann fällt ihm ein, dass der Hund sich nicht selbst versorgen kann und bricht das Vorhaben ab. Also entscheidet er sich kurzerhand dazu, den ganzen angestauten Frust an seiner Umwelt auszulassen. Und das kann er richtig gut. Niemand geringeres als Ricky Gervais ist der Kopf hinter der Serie – und spielt Tony.
Der britische Komiker, der alles und jeden – am liebsten Hollywood-Schauspieler bei den „Golden Globes“ – auf die Schippe nimmt, gibt in der Serie richtig Gas. Vor allem beim Beleidigen seiner Arbeitskollegen, des Postbotens, des Yogalehrers oder einer Unbekannten beim Gassi gehen – er zeigt, was er kann, denn zu verlieren hat er ja nichts mehr. Seine Frau wird nicht mehr zurückkommen. Und so ertrinkt er seine Trauer allabendlich in Rotwein, schaut Videos seiner Lisa an, heult Rotz und Wasser und bedauert sich selbst.
Klingt traurig, ist es auch. Ja, fast bemitleidet man ihn sogar. Doch da ist auch diese andere Seite von Tony: Er ist ein gnadenloser Zyniker, der einen – zumindest Freunde des trockenen Humors – gehörig zum Lachen bringen kann. Auch in der zweiten Staffel schafft Gervais es, die Protagonisten seiner Serie so darzustellen, dass er, der Misanthrop schlechthin, wirkt wie ein ganz normaler Typ. Denn neben einem Jungen, der Parallel-Nasenflöten spielt oder einem Typen, der denkt, er sei von einem Geist vergewaltigt worden, ist Normalität nun mal ganz anders definiert.
Doch so lustig diese Szenen auch sind, die Protagonisten tragen alle teils ziemlich prall gefüllte Sorgen-Rucksäcke mit sich rum.
Die Serie erinnert übrigens ein bisschen an Stromberg, zumindest die Szenen, die in der Redaktion der „Tambury Gazette“, einer Kleinstadt-Zeitung und Arbeitsstätte von Tony, spielen. Kein Wunder, war doch Ricky Gervais auch der Kopf hinter „The Office“, der Büroalltag-Satire schlechthin. Zurück zur „Tambury-Gazette“: Die Redakteure, der Chef, die Sekretärin – sie alle haben, auf welche Weise auch immer, einen kleinen Sprung in der Schüssel. Es fällt einem fast schwer, sich nicht mit den Personen zu identifizieren, einfach, weil solche Szenen in jedem Büro tagtäglich stattfinden – wenngleich es hier natürlich überspitzter dargestellt wird.





